Rückblick auf das Frühjahrstreffen 2026
Ein erfolgreiches Frühjahrstreffen mit fachlichem Austausch und Networking
Am 28. März 2026 widmete sich das Frühjahrstreffen des AkDaF (Arbeitskreis Deutsch als Fremdsprache) in Zürich der zentralen Frage, wie viel Dialekt im DaF- und DaZ-Unterricht notwendig ist, um Lernende auf die sprachliche Realität der Deutschschweiz vorzubereiten. In einer lebhaften Podiumsdiskussion, moderiert von Dr. Seval Birlik und besetzt mit Mylaine Tilibs (Co-Autorin Neue Linie 1 Schweiz, Klett Verlag), Silvia Sturzenegger (DaZ-Kursleiterin), Dr. Marina Petkova (Co-Studiengangleitung BA Sprachliche Integration, ZHAW), Mela Hame (Standortleiterin bei HDS St. Gallen) sowie Dr. Yuliya Pyvovar (Pädagogische Fachberaterin Schweiz, Hueber Verlag, und Dozentin für DaF/DaZ und Didaktik der Mehrsprachigkeit an der PH Bern), kristallisierte sich heraus, dass das primäre Ziel des Unterrichts nicht darin bestehen kann, Lernende zu perfekten Dialektsprecherinnen zu machen. Stattdessen steht der Aufbau rezeptiver Kompetenzen im Vordergrund: Lernende sollen befähigt werden, die diglossische Situation der Schweiz zu verstehen, dialektale Formen im Alltag einzuordnen und kommunikative Strategien zu entwickeln, um auch bei Nichtverstehen handlungsfähig zu bleiben.
Die Podiumsteilnehmerinnen betonten einstimmig, dass die gelebte Sprachwirklichkeit nicht als Defizit, sondern als natürlicher Ausgangspunkt einer realitätsnahen Sprachvermittlung zu begreifen ist. Während im Unterricht meist das Schweizer Standarddeutsch dominiert, begegnen Lernende im Alltag fortlaufend Dialekten, was Integration zu einem Spannungsfeld zwischen Standard und Mundart macht. Eine wesentliche Erkenntnis war, dass Lehrkräfte nicht zwingend eine perfekte aktive Dialektkompetenz besitzen müssen, sondern vielmehr eine hohe didaktische Kompetenz benötigen, um Lernende für diese Sprachrealität zu sensibilisieren und ihnen den konstruktiven Umgang mit Unsicherheit zu ermöglichen.
Kritisch wurde zudem die aktuelle Lage der Lehrmittel beleuchtet. Viele bestehende Werke würden der komplexen Dialektrealität mit pauschalen Sequenzen oder allgemeinen Helvetismen nicht gerecht, da sie regionale Unterschiede vernachlässigten. Als Lösung wurde gefordert, stärker auf lokal anschlussfähige Beispiele, authentische Hörbeispiele und flexible Materialien zu setzen, die genau das abbilden, was Lernende in ihrer direkten Umgebung hören. Dabei wurde auch die soziale und emotionale Dimension des Dialekts thematisiert: Zwar ist Dialekt eng mit Identität und Zugehörigkeit verbunden, doch darf dies nicht zu einer unkritischen Romantisierung führen. Es wurde eindringlich darauf hingewiesen, dass Integration nicht mit sprachlicher Assimilation gleichzusetzen ist und die einheimische Gesellschaft ebenfalls Verantwortung für kommunikative Flexibilität tragen muss.
Abschliessend wurde die Diskrepanz zwischen der alltagsrelevanten Sprachwirklichkeit und den aktuellen Prüfungsformaten thematisiert. Da Sprachprüfungen oft entscheidend für Aufenthalt, Einbürgerung oder Beruf sind, besteht hier ein Handlungsbedarf, um die Bewertungskriterien besser an die Realität anzupassen. Das Treffen verdeutlichte insgesamt, dass eine professionelle Sprachförderung in der Schweiz einen offenen, differenzierten und pragmatischen Umgang mit der Diglossie erfordert.
Als Ausblick kündigte der AkDaF sein Herbsttreffen am 7. November 2026 an, das zugleich das 40-jährige Vereinsjubiläum feiern wird.