Berufsleitbild DaF/DaZ

Anforderungsprofil für Lehrerinnen und -Lehrer

Deutsch als Fremdsprache/Deutsch als Zweitsprache

Einleitung

Das folgende Kompetenzprofil ist für Kursleiterinnen und -leiter, die Deutsch als Fremd- oder Zweitsprache unterrichten, erstellt worden. Mit Teilnehmer und Teilnehmerinnen sind fremdsprachige Jugendliche und Erwachsene gemeint.

Adressatinnen und Adressaten des Papiers sind DaF/DaZ-Lehrende selbst, sowie staatliche und private Institutionen. Lehrpersonen finden im Profil Anregungen für die eigene Weiterbildung. In den Institutionen könnte das Kompetenzprofil als Grundlage bei der Auswahl von Lehrkräften, z.B. für Anstellungsgespräche genutzt werden, oder bei der Zusammenstellung eines Kriterienkatalogs für die Unterrichtsbeobachtung und -beurteilung. Auch Personen, die neue Aus- und Weiterbildungsgänge für KL erstellen, kann das Papier als Orientierungshilfe dienen.

Als allgemeine Grundlagen gelten:

  • die Prinzipien der interkulturellen Pädagogik
    Die KL reflektieren ihre eigene sprachliche, kulturelle und soziale Identität, erkennen Stereotypen und vermeiden die Kulturalisierung von Fremdsprachigen: d.h. das Behaften der Fremdsprachigen auf eine zugeschriebene Kultur
     
  • teilnehmer- und handlungsorientierter Unterricht
    Die Fähigkeit, die unterschiedlichen kulturellen, sprachlichen und sozialen Hinter-gründe der Lernenden wahrzunehmen und in den Unterricht zu integrieren, sowie die Fähigkeit, exemplarisches Lernen zu ermöglichen.
     
  • Autonomie
    Einbezug der Ressourcen der Teilnehmer und Förderung der Schlüsselqualifika-tionen.

Kompetenzen

 

 

Die Kompetenzbereiche Selbstkompetenz, soziale Kompetenz und die Fach-kompetenz, welche die Kompetenzen im Bereich Migration, sprachliche und sprachwissenschaftliche Kompetenz, die Kompetenz im Bereich Lernpsychologie, sowie die methodisch/didaktische Kompetenz beinhaltet, sind alle der interkulturellen Kompetenz untergeordnet.

Selbstkompetenz

  • Die KL können ihre methodisch/didaktischen Fähigkeiten, sowie die eigene Rolle als KL einschätzen und reflektieren und angemessen im Unterricht umsetzen.
  • Die KL sind sich ihrer Lernbiografie bewusst. Sie kennen aus der eigenen Sprachlernerfahrungen ihre Lernstrategien und Arbeitstechniken. Sie können damit Übertragungen vermeiden und die unterschiedlichen Lern-prozesse der Lernenden verstehen.
  • Die KL kennen ihre pädagogisch-didaktischen Grundsätze als Basis ihrer Lehrtätigkeit.
  • Die KL kennen beobachtbare Merkmale des Unterrichts, mit denen sie den eigenen Unterricht analysieren und beurteilen können.

Soziale Kompetenz

  • Die KL kennen und erkennen Gruppenprozesse, können sie im Unterricht berücksichtigen und verfügen über die notwendigen Interventions-möglichkeiten.
  • Die KL können mit Kollegen und Kolleginnen und der kurstragenden Institution zusammenarbeiten.
  • Die KL berücksichtigen die Lebenswelt und das Umfeld der TN.
  • Die KL kennen die Bedeutung des Kurses für die TN und deren unterschiedliche Zielsetzungen.

Fachliche Kompetenzen

Fachkompetenz im Bereich Migration

  • Die KL kennen individuelle und soziale Hintergründe, die zur Migration führen.
  • Die KL können Mechanismen von Fremdenangst und Rassismus reflektieren und im Unterricht auffangen.
  • Die KL kennen die schweizerischen Gesetze und Regelungen, die für die AusländerInnen gültig sind, sowie die wichtigsten schweizerischen/ regionalen Institutionen, die für die Ausländer und Ausländerinnen von Bedeutung sind.
  • Die KL sind fähig, dieses Wissen im Unterricht oder bei der individuellen Beratung der TN einzusetzen.

Sprachliche und sprachwissenschaftliche Kompetenz

  • Die KL beherrschen die Schweizer Standardsprache schriftlich und mündlich und verstehen Schweizer Dialekt.
  • Die KL verstehen Sprache als Zeichen- und Handlungssystem.
  • Die KL besitzen ein theoretisches Grundwissen in den Bereichen: Zweitspracherwerb, Mehrsprachigkeit und Sprachkontraste.

Fachkompetenz im Bereich Lernpsychologie

  • Die KL können mit den Erwartungen der TN umgehen.
  • Die KL wissen um den Stellenwert der Motivation und können sie im Unterricht gezielt fördern.
  • Die KL kennen und erkennen Lerntypen und deren soziokulturelle Prägung.
  • Die KL besitzen ein theoretisches Grundwissen in den Bereichen: Autonomes Lehren und Lernen.

Methodisch-didaktische Fachkompetenz

  • Die KL können aufgrund der sprachwissenschaftlichen Kenntnisse den Unterricht planen, durchführen und auswerten. Dabei berücksichtigen sie Bedürfnisse der TN.
  • Die KL können individuelle Lernvoraussetzungen abklären und beurteilen und können entsprechende Lerninhalte auswählen und strukturieren.
  • Die KL kennen die grundlegenden Übungs- und Sozialformen, insbesondere Unterrichtsformen zur Binnendifferenzierung, und können sie einsetzen.
  • Die KL fördern und vermitteln Lerntechniken und Lernstrategien.
  • Die KL regen die Reflexion über den individuellen Spracherwerb der TN an und können die Muttersprache didaktisch einsetzen.
  • Die KL haben einen Überblick über Lehr- und Lernmittel und Medien und können diese für ihre TN gezielt auswählen. Sie können Lehrmaterialien abändern oder selber herstellen.

Abkürzungen

  • KL Kursleiter und Kursleiterinnen
  • TN Teilnehmer und Teilnehmerinnen
  • DaF Deutsch als Fremdsprache
  • DaZ Deutsch als Zweitsprache
  • IKP Interkulturelle Pädagogik

Projektgruppe: Walter Abderhalden, Pro Didacta Zürich, Dagmar Bach, Amt für Berufsbildung Zürich, Monika Clalüna, Lehrbuchautorin Luzern, Bruno Frischherz, Institut für deutsche Sprache, Universität Freiburg, Eva Greminger Kost, Pesta-lozzianum Zürich, Esther Näf, MGB Koordinationsstelle der Klubschulen Zürich.

Projektleitung: Marianne Roka, Arbeitskreis DaF in der Schweiz.

Ausserdem haben mitgearbeitet: Silvia Anastasiades, ZFB Zürich, Felix Leimgruber, ECAP Basel, Reto Moritzi, Erz. Dept. St. Gallen, Claudio Nodari, Institut für interkulturelle Kommunikation Zürich, Ingrid Ohlsen, ALS Zürich, Paul Portmann, Universität Zürich, Barbara Sträuli, Erz. Dept. Zürich, Rita Tuggener, BKE Zürich, Carlo Vella, ZFB Zürich